Beim Verlassen der Kirche wurden wieder alle Blumen zusammen gepackt und weiter ging es. Der Sarg wieder im Auto und alle anderen folgend.
Auf einmal bog das erste Auto in einen Seitenweg ein. Ein Weg den wir früher immer mit den Hunden lang gelaufen sind. Ihr zu Ehren fuhren wir eine große Runde, an Plätzen vorbei, an denen sie sehr gehangen hat, oder schönes erlebte.
Da waren dann zum einen, der Spazierweg durch den Wald den sie jeden Tag lang gelaufen ist, dann an einem Hof vorbei, an dem sie oft bei Feiern war und eingekauft hat. Und zum Schluss auf einem Platz auf dem sie meinen Onkel heiratete und auch mit mir zum Mitsommerfest war.
Die letzten paar hundert Meter, brachten Freunde ihre beiden Hunde, diese liefen dann den Rest des Weges neben dem Auto her. Als hätten sie verstanden, wie wichtig das alles war, waren sie die ganze Zeit still und starrten auf das Auto mit meiner Tante. Selbst als der Wagen auf die Straße fuhr und die Hunde nicht mehr mit konnten, schauten sie ihm noch lange nach.
Bis zum Krematorium haben wir etwas Zeit gebraucht. In Holland ist es üblich, dass man verbrannt wird, nur knapp 10% der Holländer lässt sich beerdigen. Daher findet man dort auch so selten Friedhöfe. Im Krematorium wurde noch mal eine Rede gehalten und jeder konnte noch etwas sagen, viele haben eine Rede vorbereitet.
Mit einem Projektor wurde ein Bild von ihrer Hochzeit an die Wand geleuchtet. Wohl eines der schönsten Bilder von ihr, wie sie dort in ihrer Bauerntracht nach alt-holländischen Stil am Brunnen steht.
Davor wurde wieder ihr Sarg geschoben und auf den Sarg alle Blumen gelegt, diese wurden ja später mit ihr verbrannt. Passend zu diesem Bild lief eine traurige Melodie.
Als alle Gäste ihren Platz eingenommen haben, fingen die Reden an. Ein sehr guter Freund, den ich auch kannte erzählte über ihre Hilfsbereitschaft und Großmut. Dann folgten noch 2 andere, die über ihre Taten berichtet haben, wie sie ihnen geholfen hat, und dass sie sich immer lieb um Vincent (Der Sohn des besagten Freundes) gekümmert hat und er immer bei ihr willkommen war.
Zum Schluss kam mein Onkel, den ganzen Tag schien er alles unter Kontrolle gehabt zu haben, doch dort war es vorbei. Er sprach von seiner Liebe zu ihr, und dass sie aus ihm einen anderen Menschen gemacht hat. Er hat fast geschrieen als zu Sprache kam dass sie nie wieder kommt und er sie nie wieder spüren könnte außer der Liebe zu ihr. Auch er fluchte dass sie ihn allein gelassen hat, und er nicht weiß wie er ohne sie weiter machen soll.
Man sollte annehmen dass hätte keinen kalt gelassen, wenn man mal von Onkel Wolfgang absieht… er war wieder nur dran: “vielleicht findet er bald ne neue…, dann ist es nicht mehr so schlimm… ich würd nicht allein Leben wollen auf so einem großen Hof”
Herzlichen dank! Spätestens jetzt ist bewiesen, für seine Verwandtschaft muss man sich eben doch manchmal schämen, ein Glück dass nicht alle deutsch konnten.
Jetzt wurde nur noch der Sarg hinaus geschoben und ein holländisches Lied über den letzten Weg abgespielt. Das war es also… Brigitte würde nun jeden Moment verbrannt.
Wir werden sie immer, als einen Menschen im Herzen behalten, der viel gab, aber selbst nicht viel nahm.